Törnbericht Yachtcharter Azoren

ab/an Horta vom 16. - 25. Juni 2017

 

Impressionen aus dem Revier

ein Törnbericht on Diederich Seckelmann


Freitag, 16.6.2017
10h55 Flug ab Luxemburg mit Luxair (2,5 Stunden Flugzeit bis Lissabon), Weiterflug 15h00 nach Horta mit SATA (45 Minuten Verspätung), Ankunft Horta Ca. 17h00. Unser durchgechecktes Gepäck ist nicht dabei, obwohl uns am Gate in Lissabon vom Personal versichert wurde, alles Gepäck sei geladen und auf Vollständigkeit kontrolliert. Nicolau (Inhaber Vercharterung) erwartet uns am Flughafen und bringt uns nach Horta zunächst zum Einkaufen von Toilettenartikeln und Nachtwäsche im Supermarkt. Wir laufen dann zum Sao Francisco Guesthouse, fast am Hafen. Zimmer sind in Ordnung, aber Straße ist laut (auf Zimmer zur Rückseite Wert legen!). Abendessen mit den bereits anwesenden Crews der anderen zwei Schiffe.


Samstag, 17.06.2017
Nach Übernachtung im Sao Francisco Guesthouse warten auf das Gepäck. 5 Taschen kommen um 11h00, die letzte um 15h30. Spaziergang durch den Ort, ab 15h30 einchecken durch Nicolau (sehr freundlich, sehr ausführlich, korrekt). Einkäufe im Supermarkt mit ausreichender Auswahl (Preisniveau wie in guten Supermärkten in Deutschland). Ware wurde vom Supermarkt an den Hafen geliefert. Abendessen an Bord.


Sonntag, 18.06.2017
Ablegen in Horta 8h40 Richtung Graciosa, Vila da Praia mit zunehmenden Wind aus W,

Stärke 5, Böen 6-7, Regenschauer, raumschots-Kurs. Ankunft im Fischerhafen 17h50, am Kai festgemacht mit Duldung der Fischereigenossenschaft. 53,3 sm. Abendessen im einzigen Restaurant am Platz, sehr guter Fisch, freundliche Bedienung.


Montag, 19.06.2017
Vila da Praia, Graciosa. Wir verlassen den Fischerhafen (keine Versorgung, nur Toiletten/Waschbecken) um 9h55, nachdem wir bei der Hafenpolizei ein- und ausgeheckt haben Richtung Angra auf Teiceira mit raumen Wind aus N, Stärke 5-6, Böen 7. Nicolau hat geklärt, dass wir in der sehr vollen Marina Angra Platz finden. Wir bekommen den vorletzten Platz in der Gasse und brauchen drei Anläufe bis das Schiff rückwärts in der Box liegt. Zwei Weltumsegler, die uns mit Leinen ausgeholfen haben, erklären, dass fast alle Segler beim Anlegen Schwierigkeiten haben, weil der Manövrierraum sehr eng ist. Die Marinas sind eben für kleinere Schiffe gebaut! 54,1 sm. Abendessen an Bord. Stadtspaziergang.


Dienstag, 20.06.2017
Angra do Heroismo, Terceira. Nach Fototour durch die Stadt sind wir um 11h00 ausgelaufen und mit gutem NNW-Wind, Stärke 4 Richtung Eingang Canal do Sao Jorge gesegelt. Danach im Canal do Sao Jorge nach Velas gesegelt, teils mit Motorunterstützung. Ankunft Velas 21h10. Der Hafen war sehr voll, wir könnten uns aber in einer der wenigen freien und geeigneten Boxen verholen (sehr eng, wenig Manöverraum). 60,2 sm. Spätes Abendessen im Restaurant Acor am Hauptplatz. Gute Qualität und freundliche Bedienung. Der Hafenmeister in Velas ist sehr freundlich und hilfsbereit.


Mittwoch, 21.06.2017
Velas, Sao Jorge. Nach Erkundung im Touristenbüro Taxi zur Serra do Topo genommen und von dort ca. 10 Kilometer gewandert zur Nordküste nach Caldeira de Santo Cristo (Abstieg ca. 700 Höhenmeter auf 5 km) und weiter entlang der Küste zur Faja dos Cubres. Dort hat uns der Taxifahrer wieder abgeholt und den Rückweg entlang der Nordküste nach Velas gewählt (Kosten Taxi im Van ca. 70 Euro). Abendessen an Bord. Segeln hätte sich wegen des geringen Nordwindes, Stärke 1-2 nicht gelohnt!


Donnerstag, 22.06.2017
Velas, Sao Jorge. 11h10 Überfahrt unter Motor nach Cais do Pico/Sao Roque. Fast kein Wind (N 1-2). Fest an einer der Bojen des lokalen Clube Naval (geht nur bei sehr ruhigem Wetter. Verfügbarkeit der Bojen von Nicolau vorher geklärt). Einklarieren nicht erforderlich. Dorfbummel unternommen und die Jugend des Segelclubs beim Training mit den traditionellen Walfangbooten beobachtet. 11,7 sm. Abendessen im Restaurant Casa Ancora (sehr empfehlenswert). Nicolau hat uns am Hafen besucht und sich verabschiedet von uns. Ute war vom Schiff aus schwimmen, das Wasser war etwas kalt, aber keine Quallen.


Freitag, 23.06.2017
Cais do Pico. Besuch des Wal-Museums direkt am Hafen (Eintritt 2 € p.P.). Ablegen 12h30 unter Motor, weil fast kein Wind. Im Canal do Faial kam Wind auf und wir konnten die letzten 7 Seemeilen bis in den Hafen von Horta segeln. 21,7 sm. Total für die ganze Woche 201,1 sm. Tanken am Einklarierungssteg in Horta (11 Motorstunden, 16 Liter Diesel, Vorsicht: der Tankrüssel hat keine automatische Abschaltung und natürlich haben wir gekleckert), auschecken beim Hafenmeister und bei der Hafenpolizei. Anabela Costa hat die Bootsrücknahme durchgeführt. Beanstandungen gab es keine. Abendessen nach 21h00 mit Blick auf Porto Pim in einem kleinen Restaurant.


Samstag, 24.06.2017
Herrliches, sonniges Wetter. Packen und auschecken bis 10h00. Anabela Costa (die rote Zora) ist pünktlich am Steg und wir können unser Gepäck im Lieferwagen von SailAzores lassen. Was machen wir nur mit der Zeit bis 15h00, bis uns SailAzores zum Flughafen bringen will? Ein Stadtrundgang zu den ehemaligen Telegrafengebäuden – hier wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Seekabel von Europa nach Amerika verlegt – und zum kleinen Stadtgarten mit Blick auf den Uhrenturm. Nette Konditorei in der Stadt gefunden und hier die restliche Zeit verbracht. Die Touristeninformation am Hafen ist Samstag und Sonntag geschlossen (Die brauchen hier keine Touristen!). Unser Flug nach Lissabon geht erst um 17h35. Schade, dass wir kein richtiges Programm für die 4-5 Stunden zwischen Auschecken und Fahrt zum Airport hatten. Am SATA-Schalter hat Ute die Rechnungen für die Toilettenartikel und Nachtwäsche zur Erstattung eingereicht. Das Geld (ca. 100 € für 6 Personen) soll überwiesen werden. Durchchecken des Gepäcks bis Luxemburg ging angeblich nicht (die Luxair konnte es beim Hinflug, allerdings wurde es dann in Lissabon für den SATA-Flug beim Umladen vergessen). Der Abflug von Horta war natürlich mit 30 Minuten verspätet. In Lissabon hat es lange gedauert bis wir unser Gepäck hatten. Dann haben wir am Gepäck-Drop-off-Schalter für den nächsten Tag in der Abflughalle wieder eingecheckt (Gepäck und Bordkarten). Mit dem Taxi in die Innenstadt zu unserem Hotel Lisboa Tejo gefahren (Taxi kostet ca. 11 € pro Taxifahrt mit 4 Personen und nur Handgepäck, UBahnfahrt lohnt nicht, weil mit 1,95 € p.P. zwar billiger, aber lange Schlange am Schalter am Flughafen). Das Hotel hatten wir vor der Reise gebucht. Hotel ist top-renoviert, Schallschutzfenster, Klimaanlage (ca. 120 € pro Zimmer, 1 € p.P zusätzlich Touristenabgabe, Frühstück 7 € p.P. – haben wir nicht in Anspruch genommen). Anschließend war die ganze Gruppe (außer Francoise, die auf Faial für ein paar Tage zum Wandern geblieben ist; und Victor und Roxandra, die für ein paar Tage sofort nach Estoril gefahren sind) in einer typischen Altstadtbar mit Fadomusik und kleiner Speisekarte. Obwohl es schon 23h00 war als wir dort eintrafen, ist das für die Portugiesen keine Zeit, schon ins Bett zu gehen, zumindest am Wochenende.


Sonntag, 25.06.217
Auschecken im Hotel um 9h00 und mit unserem Handgepäck zur Plaza de Rossio gegangen. In der Pastelaria Suico sitzt man draußen mit einem hervorragenden Blick auf den Plaza de Rossio. Das Frühstück (1 Tasse Kaffee, 1 Omelett) jeweils für 7 Personen ist mit 85 € zwar nicht billig, aber der Service ist aufmerksam, Tische mit weißen Tischdecken dekoriert ist es schon wert, etwas mehr zu bezahlen als für das Hotelfrühstück. Ab 10h00 füllt sich der Platz mit Touristen. Wir haben einen ausführlichen Stadtrundgang durch die Altstadt, in die Shopping-Meile, auf einen Aussichtspunkt mit Blick über Lissabon und den Tejo, weiter zum Hafen, dann zur Praça do Comércio und zurück zur Plaza de Rossio gemacht. Um 12h30 sind wir mit der Metro (1,95 € p.P. , Fahrkarten am Schalter erhältlich) zum Flughafen gefahren. Die Metro fährt etwa alle 3-5 Minuten und man erreicht mit einmaligem Umsteigen den Airport nach ca. 20 Minuten. Der TAP-Flug nach Luxemburg hatte 50 Minuten Verspätung und es gab wegen reduzierter Crew nur einen kleinen Becher Wasser zum Trinken. Dafür war das Flugzeug neu und hatte ausreichend Sitzabstand. Statt 18h20 waren wir um 19h00 in Luxemburg.

 

Fazit und Empfehlungen:
A) Das Pilot-Book The Atlantic Islands sollte man sich vorher besorgen, um sich mit dem Revier vertraut zu machen (haben unsere Crews getan). Das Pilot-Book sollte zwar laut
Ausstattungsliste an Bord sein, war aber nicht vorhanden.
B) Ausreichende Englischkenntnisse sind zur Kommunikation mit Behörden, Hafenmeister und
Vercharterer erforderlich. Wer Portugiesisch beherrscht, braucht das natürlich nicht
beachten (1 Crewmitglied von unserer Flottille konnte es).
C) Tidenhub Ca. 1 m, aber Tidennavigationskenntnisse sind nicht erforderlich. Sicherer Umgang mit dem Schiff bei Starkwind und manövrieren in den Häfen auf engem Raum ist notwendig. Empfehlung: Tabletten gegen Reisekrankheit mitnehmen!
D) Ein- und ausklarierten in den Häfen ist immer erforderlich (Crewliste und Ausweise aller
Crewmitglieder müssen jedes Mal vorgelegt werden) und kostet Zeit. Immer nur in den
Bürozeiten von 8 – 20h00 möglich.
E) Geeignete Häfen sind nicht sehr zahlreich und teilweise weit voneinander entfernt. Es war
hilfreich, dass Nicolau sich in Graciosa und Terceira eingesetzt hat, Platz für uns zu finden.
Ansonsten wird empfohlen, immer in den nächsten Zielhäfen anzurufen, ob Platz vorhanden
ist, insbesondere wenn mehr als ein Schiff.
F) Das Schiff (Dufour 382 Grand Large Bj. 2017, Avanti) ist „cheap & shiny“. Beschläge sind auf ein Minimum reduziert (Ringe statt Blöcke und mehrfach umgelenkt), deshalb sind Fallen und Schoten schwergängig, ebenso Reffleinen. Traveller fehlt. Selbstwendefock ist schwierig zu trimmen. Segeln ist in Ordnung, das Schiff springt gut an und hat einen guten Wendewinkel
von ca. 95 Grad (Segel sind ja auch neu). Sicherheitsausstattung sowie Pütt und Pann sind
o.k. Maximal 6 Personen, besser 5, da niemand im Salon schlafen kann.
G) Check-in von Nicolau wird sehr sorgfältig, aber auch etwas langatmig gemacht. Er gibt viele
Tipps und promotet damit die Azoren. Check-out von Anabela ging sehr schnell.
H) An- und Abreise nach Horta nehmen jeweils je zwei Tage in Anspruch. Die Airline SATA ist
anscheinend immer unpünktlich (siehe Internetkommentare) und arbeitet nicht sorgfältig.
Gepäck von 6 Personen wurde erst am nächsten Tag geliefert. Personal ist freundlich und
bemüht.
I) Die Azoren sind kein einfaches Segelrevier aufgrund der Wetterbedingungen, aber auch der
wenigen Häfen und dort verfügbaren Gastplätze. Es wird grundsätzlich empfohlen vor
Verlassen sicherzustellen, dass im nächsten Hafen ein Platz zur Verfügung steht. Mit 3
Schiffen als Flottille ergeben sich leicht Schwierigkeiten.
J) Preisniveau in Relation zu Ostsee/Deutschland/Dänemark:
Restaurant, Café sehr günstig
Einkäufe im Supermarkt wie gehobenes deutsches Niveau
Hafengebühren moderat
Diesel wie Deutschland
Taxifahrten moderat


Flüge wegen Umsteigeverbindungen und Hotelaufenthalt natürlich deutlich teurer als
Kanarische Inseln, Mallorca, Griechenland, etc. Temperaturen/Wetter auf unserem Törn:
Schnelle Wetterwechsel mit Sonnenschein, Regenschauer abwechselnd und schnell
auffrischendem Wind. Temperaturen tagsüber wie in Deutschland im Sommer, aber abends
deutliche Abkühlung, so dass man einen Pullover benötigt.


Die Azoren sind ein interessantes Segelrevier, das noch wenig touristisch erschlossen ist. Die
Menschen sind freundlich und hilfsbereit und sprechen fast alle ein ausreichendes Englisch.
Man trifft viele Weltumsegler, die auf dem Heimweg von der Karibik nach Europa auf den Azoren einen Zwischenstopp machen.
Wegen der Flugverbindungen benötigt man jeweils zwei Tage für An- und Abreise, die der
Segelwoche hinzugerechnet werden müssen. Für 2-Wochen-Törns geben die Inseln unseres
Erachtens nicht genügend her, es sei denn, man plant mehrere Hafentage ein und nutzt die Zeit zum Erkunden der Inseln (wandern!). Die äußeren Azoren-Inseln (außerhalb Faial, Graciosa, Terceira, Sao Jorge, Pico) sind zu weit entfernt und erfordern Nachtfahrten. Die Windverhältnisse sind weniger stabil als auf den Kanarischen Inseln (NE-Passat). Meist W-Winde, aber auch häufig Flauten, so dass Hafentage oder Motorfahrten erforderlich sind.

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